Frieden? Nur mit Mitgliedsausweis

Donald Trump und Wladimir Putin wollen sich in Alaska treffen. Ein neutraler Ort, weit weg vom Schlachtfeld. Ein Gespräch über ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs. Eigentlich der Moment, an dem erwachsene Politik beginnt: reden statt schießen.

Doch kaum taucht diese Chance am Horizont auf, tobt in Brüssel und Kiew ein Aufruhr, als hätte jemand die Spielregeln verletzt. Die EU und Selenskyj reagieren wie Kinder, die nicht zur Geburtstagsparty eingeladen sind. Nur dass hier keine Torte auf dem Tisch steht, sondern die Möglichkeit, einen Krieg zu beenden.

Das Drehbuch des Widerstands

Aus der EU kommt prompt ein Positionspapier. Übersetzt heißt es: Waffenstillstand ja, aber nur nach unseren Bedingungen, mit uns am Tisch und ohne Abstriche für Kiew. Selenskyj legt nach: Jede Entscheidung ohne die Ukraine sei „eine Entscheidung gegen den Frieden“. Ein Satz, der klingt wie Moral, aber nach politischem Monopol riecht. Denn Frieden, der nur die eigene Maximalposition abbildet, ist kein Frieden, sondern ein Siegesvertrag.

Die EU nickt brav, weil sie zu tief im Spiel steckt: Milliardenhilfen, militärische Unterstützung, politische Prestige-Interessen. Wer so viel investiert hat, will keinen Deal, der die eigene Agenda unterläuft. So wird aus einem möglichen Gipfel ein Zielscheiben-Fest für Bedenkenträger.

Das perfide Prinzip: Bedingungen stapeln, Frieden blockieren

Erst Waffenstillstand, dann Verhandlungen, aber nur mit allen „Berechtigten“ am Tisch. Keine Gebietsabtretungen. Sicherheitsgarantien aus der NATO. Ein fester Platz für die Ukraine. Das klingt wie Fairness, ist aber ein diplomatischer Stolperdraht. Jeder Punkt wird so lange verhandelt, bis gar nichts mehr übrig bleibt – außer der Gewissheit, dass der Krieg weitergeht. Brüssel und Kiew agieren dabei wie Türsteher: Kein Einlass ohne Mitgliedsausweis. Das mag Macht sichern, aber es hält jede pragmatische Lösung draußen.

Was auf dem Spiel steht

Trump und Putin könnten in Alaska einen Deal skizzieren, der Opfer kostet – für beide Seiten. Kein Wunschkonzert, sondern ein Anfang. Genau das macht den Plan gefährlich für jene, die vom Status quo profitieren.

Während die EU ihre „moralische Führungsrolle“ verteidigt und Selenskyj jeden Kompromiss als Verrat brandmarkt, sterben täglich Menschen. Wirtschaften brechen ein, Energiekosten steigen, Gesellschaften ermüden.

Und die Chance, dass zwei der mächtigsten Männer der Welt überhaupt miteinander reden, wird zerredet, bevor ein Flugzeug nach Alaska überhaupt gestartet ist.

Es geht nicht um Frieden, sondern um Machtkontrolle. Nicht um das Ende des Krieges, sondern darum, wer als Architekt des Friedens gelten darf. Die wahren Verlierer dieser Inszenierung sind nicht die Politiker, sondern Millionen Menschen, deren Leben jeden Tag aufs Neue zerrissen wird.

Das Treffen in Alaska könnte ein pragmatischer Schritt sein. Wenn es denn stattfindet. Wenn man es lässt.

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