Drohnen über Bremerhaven – das Summen der Hysterie

Über den Hafenanlagen von Bremerhaven ist eine Drohne zu sehen – Sinnbild für die Debatte um unbestätigte Sichtungen und politische Überreaktionen.
Eine Drohne schwebt über der Skyline von Bremerhaven – Symbolbild für die aktuelle Drohnenhysterie. | Bildidee gemeinsam entwickelt mit ChatGPT (OpenAI), umgesetzt nach redaktionellem Konzept von Carsten Zinn.

Über Bremerhaven kreisen Drohnen. Sagen sie. Wieder einmal. Die Meldungen klingen, als stünde die Stadt kurz vor dem Angriff. Drohnenschwärme über Kraftwerken, Regierungssitzen, Hafenanlagen. Geheimdienste alarmiert, Verfassungsschutz im Einsatz, Russland „naheliegend“. Das Innenressort hält sich bedeckt, spricht von Spionage, kann aber nichts belegen. Und so fliegt die Geschichte weiter – gespeist aus Gerüchten, Zitaten und einem Schuss kaltem Krieg. In Wahrheit weiß niemand, wer diese Drohnen steuert. Vielleicht Spione, vielleicht Hobbyflieger, vielleicht gar niemand. Was zählt, ist die Wirkung: Alarmstimmung.

Ich sehe darin ein bekanntes Muster. Es beginnt mit unklaren Beobachtungen, wird durch Medienberichte verstärkt, und endet in politischen Forderungen. Genau wie bei der sogenannten Strategie der Spannung – einer Mischung aus Angst, Desinformation und martialischer Rhetorik.

Roderich Kiesewetter, CDU, hat jüngst den „Spannungsfall“ für Deutschland ins Gespräch gebracht – also den Vorzustand des Verteidigungsfalls, inklusive Wehrpflicht, Notstandsgesetzen und mehr Militär im Inneren. Warum? Weil angeblich russische Drohnen unseren Himmel verletzen. Beweise? Fehlanzeige. Aber das Muster funktioniert trotzdem: erst das Summen, dann das Säbelrasseln.

Was in Bremerhaven passiert, ist exemplarisch. Die Sicherheitsbehörden halten Informationen zurück, die Medien füllen die Lücken mit Mutmaßungen, Politiker veredeln sie zu Forderungen. Und am Ende bleibt das Gefühl, in einem Land zu leben, das sich selbst permanent belagert. Dabei gibt es laut Innenressort keine konkrete Gefährdung. Kein Angriff, keine Verletzten, keine Zerstörung. Nur Geschichten über „technisch veränderte Drohnen“ und „ausländische Dienste“. Geschichten, die hervorragend klingen, wenn man Budgets erhöhen und neue Abwehrsysteme rechtfertigen will.

Ich halte das für gefährlich. Nicht, weil Drohnen keine Risiken bergen, sondern weil Hysterie eine Waffe ist. Wer Angst produziert, formt Zustimmung. Wer Bedrohung ruft, bekommt Macht. So wird aus einer unbewiesenen Drohnensichtung ein Argument für Aufrüstung, für mehr Überwachung, für den nächsten Ausnahmezustand. Und Bremerhaven dient als Testfeld – nicht für fremde Spione, sondern für eine Politik, die gelernt hat, wie man aus Unsicherheit Kapital schlägt.

Wenn also bald in Bremen die Innenminister tagen und über „Drohnenabwehr“ beraten, dann sollten wir genauer hinhören. Es geht nicht um Sicherheit. Es geht um Stimmung, um Kontrolle, um das nächste Kapitel im Dauerzustand der Erregung.

Ich will nicht, dass Angst zur Normalität wird. Ich will, dass wir wieder unterscheiden zwischen Gefahr und Gerede. Zwischen Aufklärung und Aufrüstung. Denn manchmal, wenn am Himmel etwas surrt, ist es keine Bedrohung. Sondern nur das Echo unserer eigenen Nervosität.

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