WIDERDENKEN | Wer spricht hier eigentlich?

Die Medien müssen sich fragen, ob sie dem Establishment und den Eliten zu freundlich gegenüberstehen, wenn sie sich als Sprachrohr der Regierung fühlen.

Dieser Satz lässt mich nicht mehr los. Er trifft einen wunden Punkt – nicht nur in Bremerhaven, sondern in der gesamten Medienlandschaft unseres Landes.

PR statt Pressefreiheit?

Erinnere dich an die Corona-Zeit: Viele Medienhäuser haben die Erzählung der Regierung übernommen, ohne zu hinterfragen. Wer sich kritisch äußerte, galt schnell als „unsolidarisch“ oder wurde in eine Ecke gestellt. Journalist:innen, die eigentlich unabhängig berichten sollten, gerierten sich plötzlich als Lautsprecher der Regierung.

Das Gleiche bei der sogenannten Flüchtlingskrise: Kaum Raum für differenzierte Diskussion, dafür viel moralische Belehrung. Und heute? Heute winkt man drei gigantische Sondervermögen durch – eines über 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr, dann weitere Milliarden in unbegrenzter Höhe wieder für Rüstung nach der Bundestagswahl und weil das noch immer nicht reicht über 400 Milliarden Euro für Wirtschaft und Industrie. Eine Billion Euro zusätzlich zum Haushalt – und kaum ein Medium, das tiefer bohrt oder grundlegende Fragen stellt:

  • Wer profitiert?
  • Wie wird das kontrolliert?
  • Und warum ist für Pflegekräfte und Bildung kein „Sondervermögen“ vorgesehen?
Pressemitteilungen statt kritische Fragen

Und die Medien? Statt kritisch nachzuhaken, übernehmen sie oft einfach das, was ihnen von Regierung und Behörden serviert wird – schön verpackt in Pressemitteilungen oder Hochglanz-Statements. Und manchmal berichten sie nicht einmal mehr darüber.

Ich wünsche mir Medien, die unbequem sind. Die bohren. Die nerven. Die Regierung und Verwaltung das Leben schwer machen – im besten demokratischen Sinne. Denn das ist ihr Job.

Lokal betrachtet: Die Stadt als Influencer

Was wir stattdessen erleben, zeigt sich auch hier vor Ort: Der Magistrat in Bremerhaven baut seine Pressestelle immer weiter aus. Sieben Mitarbeitende betreuen Social-Media-Kanäle, schreiben Artikel und produzieren Content, als wäre die Verwaltung ein Medienhaus.

Und währenddessen? Beschwert sich ausgerechnet Matthias Ditzen-Blanke, Verleger der Nordsee-Zeitung, darüber, dass die Stadt mit ihren Instagram-Beiträgen angeblich die Presse unterwandere. Ernsthaft?

Vielleicht sollte sich die Verlagsspitze eher fragen, warum sie täglich Leser verliert. Möglicherweise liegt es daran, dass man sich zu oft mit den Mächtigen gemein macht – statt sie zu kontrollieren.

Demokratie braucht kritische Medien – keine Kopierer

Demokratie lebt von Vielfalt. Von Diskussion. Und von Journalismus, der sich nicht mit dem ersten Statement zufriedengibt, sondern nachhakt, gegenrecherchiert, unbequem bleibt.

Wenn Medien jedoch zu Teilnehmern der Inszenierung werden, statt ihr Gegengewicht zu sein – dann müssen wir laut werden. Dann müssen wir fragen: Wer spricht hier eigentlich?

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